Samuel L Session – The Man With The Case Remixes (BAO025)

Remixplatten sind immer auch ein Griff in die Überraschungskiste. Einerseits können sich ganz großartige Perlen darauf befinden, die das Original weiter Aufschrauben und noch mehr herauskitzeln bzw. völlig neu interpretieren. Andererseits könnte auch bei einem schlechten Original der Remixer nur lauwarmes Wurstwasser produzieren bzw. aus einem guten Stück Musik nur Abgestandenes, Beliebiges produzieren.

Bei den The Man With The Case Remixes hat das Label Be As One Imprint nun voll auf Sieg gesetzt. Labelchef Shlomi Aber hat sich neben Reboot von Cadenza und Stacey Pullen (a.k.a. Detroit Techno Ikone) an die Werkbank gesetzt und gleich mal ein paar Filetstücke von Samuel L Session verarbeitet.

Los gehts sehr organisch mit Big Bad Drums dem Shlomi Aber erstmal die Cheesyness entzogen hat und den Wumsmodulator drunter gelegt hat. Das Ding (wir nennen es mal so) ist feinstes Schlagzeuggehämmer direkt ins Stammhirn. Allerdings ist dieser Track in seiner Aufmachung viel komplexer und direkter als das Tool 9/96 der Italoboyz wo einem die Drumsticks irgendwann zum Halse raushängen dürften. Shlomi Aber ist bekannt für etwas härteren Sound und weiss genau was Drums big and bad macht.

War das Original von The Soloist noch mit Synthiekreissägen und netten Flächen unterlegt, so hat Reboot hier erheblich weniger rumgeschraubt als Shlomi Aber. Die Kreissäge schreit im Hintergrund immer noch leise vor sich hin und auch die Synthieflächen stoßen sich im Einheitstanz des 4/4 Diktats noch die Köpfe aneinander. Schneller ist der Track geworden und ein wenig deeper. Mehr Cadenza weniger Detroit, da hätte sich Reboot ruhig etwas trauen können.

Detroit wird es dann jedoch bei Sections von Stacey Pullen. Stark verspult und hart in der Sache. Klare Kickdrums und die unvermeidbaren Handclaps hämmern um stringente Snares herum. Auch dieser Track wieder etwas für die Freunde der nativeren Technomusik. Verträumt klingt anders. Das muss es auch nicht. Ein sauber abgewogenes Stück Hüfttechno ohne Knochen. No more Comments.

Die Größte Kehrtwende hat Samuel selber gemacht, indem er sich The Soloist nochmals vorgenommen hat und alles flächen- und Kreissägenhafte in Rente geschickt hat und konsquent auf Glockenspiel und Percussion gesetzt hat. Ein Vorwärts immer Rückwärts nimmer Track (ohne politische Hintergedanken) und ein würdiger Abschluss dieser Platte.

[rating: 8/10]

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